"Schenkt Bayern doch gleich die Meisterschaft“ – dieser Reflex nervt
5:1 zum Bundesliga-Auftakt gegen den VfB Stuttgart. Ein starkes Spiel des FC Bayern, fünf Tore, ein deutliches Ergebnis – und gefühlt dauert es keine zehn Minuten, bis in den sozialen Netzwerken wieder dieselben Kommentare auftauchen:
„Schenkt Bayern doch direkt die Meisterschaft.“
„Die Bundesliga ist langweilig.“
„Wer soll diese Bayern stoppen?“
Ganz ehrlich: Dieser Reflex nervt.
Nicht, weil der FC Bayern nicht der große Favorit auf die Meisterschaft wäre. Natürlich ist er das. Bayern hat den stärksten Kader der Liga, die größten finanziellen Möglichkeiten und vor allem eine Struktur, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde.
Aber genau da beginnt das eigentliche Problem der Diskussion.
Statt permanent nach München zu schauen, sollten sich die anderen Vereine vielleicht etwas häufiger mit sich selbst beschäftigen.
In München interessiert es nämlich herzlich wenig, ob Dietmar Hamann Stuttgart vor der Saison zum Bayern-Jäger erklärt oder irgendein Experte Dortmund plötzlich auf Augenhöhe sieht.
Beim FC Bayern wird nicht darüber diskutiert, wer Bayern gefährlich werden könnte. Dort geht es darum, die eigenen Hausaufgaben zu machen, Spiele zu gewinnen, Titel zu holen und den Verein weiterzuentwickeln.
Und genau diese Haltung fehlt mir bei vielen Konkurrenten.
Bayern ist nicht das eigentliche Problem
Nehmen wir Borussia Dortmund.
Dort hört man immer wieder, wie wichtig die direkten Duelle mit Bayern seien. Man möchte sechs Punkte gegen München holen, ein Zeichen setzen und beweisen, dass man auf Augenhöhe ist.
Schön.
Aber eine Meisterschaft entscheidet sich eben nicht nur zweimal pro Saison gegen Bayern.
Sie entscheidet sich an einem Samstag gegen einen Gegner aus dem Tabellenmittelfeld. Sie entscheidet sich nach einer Champions-League-Woche auswärts bei einem unangenehmen Gegner. Sie entscheidet sich dann, wenn niemand von einem „Topspiel“ spricht.
Was bringen sechs Punkte gegen Bayern, wenn man anschließend gegen Mannschaften Punkte liegen lässt, die man mit den eigenen Ansprüchen eigentlich schlagen müsste?
Genau dort entsteht der Abstand.
Bayern gewinnt solche Spiele seit Jahrzehnten mit einer beeindruckenden Regelmäßigkeit. Nicht immer schön. Nicht immer souverän. Aber eben häufig genug.
Das ist keine Verschwörung und kein Fehler des Systems.
Das ist Stabilität.
Für die Dominanz sind die Konkurrenten mitverantwortlich
Natürlich verfügt Bayern über enorme wirtschaftliche Möglichkeiten. Niemand muss so tun, als würden in München und bei den restlichen Bundesligisten dieselben Voraussetzungen herrschen.
Aber Geld allein erklärt nicht, warum andere große Vereine über Jahre immer wieder ähnliche Fehler machen.
Trainerwechsel. Strategiewechsel. Transfers ohne klare Linie. Führungspersonal wird ausgetauscht. Nach drei guten Monaten wird von der Meisterschaft gesprochen, nach drei schlechten Monaten wieder alles infrage gestellt.
Und währenddessen macht Bayern weiter.
Jahr für Jahr.
Genau diese Kontinuität wurde sich über Jahrzehnte aufgebaut.
Wer Bayern dauerhaft herausfordern möchte, braucht deshalb nicht zuerst einen Anti-Bayern-Plan.
Er braucht einen Plan für sich selbst.
Die Bundesliga befindet sich nicht in einem katastrophalen Zustand
Auch dieses ständige Gerede davon, wie schlecht es dem deutschen Fußball angeblich gehe, halte ich für übertrieben.
Mit Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und dem VfB Stuttgart spielen vier deutsche Mannschaften in der Champions League.
Dort liegt für diese Vereine eine riesige Chance.
Sportlich und finanziell.
In der Champions League können Einnahmen generiert werden, die für die Entwicklung eines Klubs teilweise deutlich wichtiger sind als ein einzelner Tabellenplatz in der Bundesliga. Dort kann internationales Renommee aufgebaut werden. Dort können Spieler ihren Marktwert steigern. Dort kann sich ein Verein nachhaltig weiterentwickeln.
Genau darauf sollten sich Dortmund, Leipzig und Stuttgart konzentrieren.
Nicht darauf, dass Bayern am ersten Spieltag 5:1 gewinnt.
Bayern wird Punkte liegen lassen. Vielleicht früher, vielleicht später.
Die entscheidende Frage ist doch: Ist dann jemand da?
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